Tokyo | Tokio
Tokio (auch: Tokyo, jap. Tokyo, wörtlich: östliche Hauptstadt) liegt in der Kanto-Region im Osten der Insel Honshu. Seit 1603, dem Beginn des Tokugawa-Shogunates, ist das ehemals unbedeutende Fischerdorf Edo das Zentrum von Japans Politik und Verwaltung. Seit 1868 ist Tokio auch offizielle Hauptstadt und Sitz des Tenno.
In der eigentlichen Stadt leben 8.483.050 Menschen. Mit 36.769.213 Einwohnern im Ballungsraum ist Tokio die gröĂte Metropolregion der Welt (Stand jeweils 1. Oktober 2005). Die Region ist das Finanz-, Industrie-, Handels- und Kulturzentrum Japans mit zahlreichen UniversitĂ€ten, Hochschulen, Forschungsinstituten, Theatern und Museen. Tokio ist auch Sitz der UniversitĂ€t der Vereinten Nationen (UNU).

Yasukuni-dori in Shinjukua, Tokyo
Drei Definitionen von Tokio
Vielen westlichen Beobachtern ist nicht klar, dass es keine Stadt Tokio im administrativen Sinn gibt. Die âStadtâ Tokio als politische Einheit wurde 1943 aufgelöst. Tokio hat in den westlichen Sprachen heute drei verschiedene Definitionen, die in Japan selbst alle unterschiedliche Namen tragen.
Die 23 Stadtbezirke (jap. Nijusan-ku) auf dem Gebiet der ehemaligen Stadt Tokio, also den Kernbereich. Jeder Stadtbezirk ist administrativ eine einer Stadt gleichgestellte eigenstĂ€ndige Kommune. Auf Englisch nennen sich die Hauptstadtbezirke neuerdings offiziell City (Shinjuku City, Shibuya City) und nicht mehr wie frĂŒher Ward (Stadtbezirk).
Den Ballungsraum (jap. Shutoken, Hauptstadtbereich), der die Stadtbezirke und alle Vororte im Einzugsbereich in insgesamt acht PrÀfekturen umfasst (unter anderem auch die MillionenstÀdte Yokohama und Kawasaki).
Die PrĂ€fektur Tokio (jap. Tokyo-to), die sich neben den 23 Hauptstadtbezirken auch noch ĂŒber den westlichen Teil des Ballungsraumes, AuslĂ€ufer der Japanischen Alpen und sogar abgelegene Pazifikinseln ausbreitet.
Dieser Artikel behandelt Tokio als organisches Stadtgebilde, also im Sinn der Definitionen 1 und 2. Politische, volkswirtschaftliche und geografische Informationen zu Tokio finden sich im Artikel PrÀfektur Tokio.
In der westlichen Berichterstattung hat das Fehlen einer âStadt Tokioâ einige IrrtĂŒmer hervorgerufen. Die oft irrtĂŒmlich als Einwohnerzahl des âGroĂraums Tokioâ in den Medien genannten 12 oder 13 Millionen Einwohner sind in Wirklichkeit die Einwohnerzahl der PrĂ€fektur Tokio inklusive der Gebirgsdörfer und abgelegenen Pazifik-Inseln, aber ohne den Rest des Ballungsraumes in anderen PrĂ€fekturen.
Daneben wird der Gouverneur der PrĂ€fektur Tokio (jap. Tochiji), derzeit Shintaro Ishihara, meist fĂ€lschlich als âBĂŒrgermeisterâ Tokios bezeichnet. Der 1991 von Kenzo Tange erbaute Wolkenkratzer der PrĂ€fekturverwaltung in Shinjuku im Stil einer Kathedrale figuriert meist falsch als Tokios âRathausâ.
Geographie
Geographische Lage
Tokio liegt an der Tokiobucht auf der Insel Honshu, der gröĂten der vier Hauptinseln des japanischen Archipels, in der Kanto-Ebene (Kanto-heiya) durchschnittlich sechs Meter ĂŒber dem Meeresspiegel. Die 23 autonomen Bezirke der Stadt Tokio haben eine FlĂ€che von 621,45 Quadratkilometern, die gesamte Metropolregion hat eine BodenflĂ€che von 5.258 Quadratkilometern. Die geografischen Koordinaten sind 35,41 Grad nördlicher Breite und 139,46 Grad östlicher LĂ€nge.
Kanto ist das Gebiet, das in weitem Bogen um die Tokiobucht liegt. Der Name Kanto bedeutet âöstlich der Barriereâ â eine historische Bezeichnung. (Kansai, also âwestlich der Barriereâ, ist das Gebiet um Osaka.) Mit âBarriereâ sind die Berge in der Region Chubu gemeint.
Kanto ist die gröĂte Ebene in Japan. Durch frĂŒhere, gewaltige VulkanausbrĂŒche des in den letzten Jahrhunderten eher ruhigen Fujisan wurde fast die komplette Ebene mit fruchtbarer, vulkanischer Asche eingedeckt â dem sogenannten kanto romu so. Dazu kommt die groĂe Tokiobucht, die tief genug ist, um als Hafen zu fungieren, und flach genug, um dem Meer gröĂere FlĂ€chen abzuringen.
Geologie
Tokio liegt in einer der aktivsten Erdbebenzonen der Welt. Kleine Erdbeben sind in der Stadt nichts AuĂergewöhnliches. WĂ€hrend der sehr aktiven Phasen können kleine, bemerkbare Erdbeben fast tĂ€glich auftreten. Trotz aller Anstrengungen ist den Wissenschaftlern eine wirksame Erdbebenvorhersage bisher noch nicht gelungen.
Eine der bekanntesten Theorien stammt von Kawasumi Hiroshi, PrĂ€sident des Instituts fĂŒr Erdbebenforschung der UniversitĂ€t von Tokio. Er hat alle Erdbeben in Tokio seit dem Jahre 818 mit einer StĂ€rke von ĂŒber 5 auf der Richter-Skala analysiert und festgestellt, dass sich durchschnittlich alle 69 Jahre ein gröĂeres Erdbeben ereignet. Demnach hĂ€tte das nĂ€chste groĂe Beben im Jahre 1992 stattfinden mĂŒssen. Allerdings ist dies eine rein statistische Berechnung, die keine geologischen Gegebenheiten berĂŒcksichtigt und deshalb zur Vorhersage völlig ungeeignet ist. Eine erheblich differenziertere Betrachtung nahm Professor Ishibashi Katsuhiko von der UniversitĂ€t in Kobe vor. Nach seiner Feststellung ereignen sich die Erdbeben immer in einem gewissen Zyklus. Am Anfang kommen mehrere kleinere Beben; ein groĂes Beben bildet dann immer den Abschluss dieses Zyklus’.
Eines der schwersten Erdbeben war das GroĂe Kanto-Erdbeben am 1. September 1923. Weitere schwere Beben ereigneten sich in den Jahren 1615 (StĂ€rke 6,4), 1649 (7,1), 1703 (8,2), 1855 (6,9) und 1894 (7,0). Bei dem Genroku-Erdbeben am 31. Dezember 1703 wurden Tokio und andere StĂ€dte in der Umgebung zerstört. Etwa 200.000 Menschen kamen in der Region ums Leben.
Klima
Die Stadt befindet sich in der gemĂ€Ăigten Klimazone, weshalb das ganze Jahr relativ milde und angenehme Temperaturen herrschen. Die Sommer sind heiĂ und feucht, die Winter trocken und sonnig. Von Ende Juni bis Mitte Juli dauert die Regenzeit (Tsuyu), mit tĂ€glichen Regenschauern. Mitte Juli bis Ende August ist es anhaltend heiĂ mit hoher Luftfeuchtigkeit.
Taifune drohen im September oder Oktober, dauern aber selten lĂ€nger als einen Tag. Sie entstehen meist im Sommer oder FrĂŒhherbst im Nordpazifik westlich der Datumsgrenze und nördlich des 5. nördlichen Breitengrades am Rand des KalmengĂŒrtels und wandern dann meistens zuerst nordwestlich in Richtung Vietnam, Philippinen und China. Wenn sie das Festland nicht erreichen, drehen sie in nordöstliche Richtung ab und suchen Korea und Japan heim. In Tokio bringen Taifune starke Windböen und RegenfĂ€lle, schwĂ€chen sich dann aber allmĂ€hlich ab, je weiter sie ins Inland vordringen.
Die durchschnittliche Jahrestemperatur in Tokio betrÀgt 15,6 °C, die jÀhrliche Niederschlagsmenge im Mittel 1.410 Millimeter. Der wÀrmste Monat ist der August mit durchschnittlich 27,1 °C, der kÀlteste der Januar mit 5,2 °C im Mittel. Der meiste Niederschlag fÀllt im Juni mit durchschnittlich 186 Millimeter, der wenigste im Januar mit 45 Millimeter im Mittel.
Geschichte
Ursprung
Wie archĂ€ologische Funde belegen, war das Stadtgebiet schon in der Steinzeit besiedelt. UrsprĂŒnglich war Tokio unter seinem frĂŒheren Namen Edo ein kleiner Fischereihafen. Um das Jahr 1457 lieĂ der damalige Daimyo Ota Dokan nahe dem Dorf eine Burg bauen. Die Siedlung erlangte erst 1590 Bedeutung, als sie in den Besitz des Shogun Tokugawa Ieyasu (1543â1616) ĂŒberging.
Neuzeit
Tokugawa Ieyasu bestimmte Edo 1603 zur Hauptstadt des Shogunats, der wahren Macht in Japan, wÀhrend der machtlose Tenno (Kaiser) weiterhin in der offiziellen Hauptstadt Kyoto residierte. Die Edo-Burg wurde wÀhrend seiner Regierungszeit restauriert und erweitert.
Tokio wurde hĂ€ufig von verheerenden Erdbeben und groĂen BrĂ€nden heimgesucht. So forderte etwa 1657 ein GroĂbrand mehrere Tausend Menschenleben und zerstörte mehr als 60 Prozent des damaligen Stadtgebietes. Das Shogunat nutzte diese Gelegenheit fĂŒr eine Neuordnung der Stadtstrukturen, die hauptsĂ€chlich der BrandverhĂŒtung und der VerstĂ€rkung der Verteidigungsanlagen der Edo-Burg diente. In dieser Phase wurden systematisch Schreine und Tempel in AuĂenbezirke transportiert und Stadtbewohner in neu gebaute AuĂenbezirke umgesiedelt.
FĂŒr ein schnelles Wachstum der Stadt sorgte der Befehl Tokugawa Ieyasus an seine Daimyo, in Edo eigene Residenzen zu errichten, wo ihre Familien praktisch als Geiseln gehalten wurden (Sankin-kotai-VerfĂŒgung). Zahlreiche Handwerker und Kaufleute, die zur Versorgung des Hofes gebraucht wurden, lieĂen sich Anfang des 18. Jahrhunderts in Edo nieder. Im Jahre 1868 wurde auf Veranlassung des Meiji Tenno (Mutsuhito, 1852â1912) der kaiserliche Hof nach Edo verlegt und die Stadt in Tokyo (âöstliche Hauptstadtâ) umbenannt.
1872 zerstörte ein GroĂbrand die Bezirke Ginza und Marunouchi. Der Wiederaufbau und die damit verbundene Modernisierung des Stadtbildes erfolgten nach westlichem Vorbild. Die Planung hierfĂŒr wurde einem englischen Architekten ĂŒbertragen, der das Stadtbild mit einer Mischung europĂ€ischer Stile prĂ€gen wollte (StraĂen nach Pariser und Bauweise der HĂ€user nach Londoner Vorbild). Trotz einer gewissen Ambivalenz in der Bevölkerung ob der vollkommen neuen, westlichen Bauten, die ein geschlosseneres WohngefĂŒhl vermittelten, lieĂ der damalige Gouverneur Yuri Kimimasa Handwerker und Bauleute nach Tokio kommen, um mit den Arbeiten zu beginnen. Gerade im Stadtteil Ginza sollte der Wiederaufbau so schnell wie möglich beginnen, da dort eine Bahnlinie zwischen Yokohama und Shinbashi eingeweiht werden sollte. Indem man traditionelle Wohn- und LagerhĂ€user in NebenstraĂen versetzte, machte man Platz fĂŒr die neue Architektur.
Moderne
Die schwerste Naturkatastrophe in der neueren Geschichte Tokios war das GroĂe Kanto-Erdbeben und Feuer vom 1. September 1923, bei dem ein GroĂteil der Stadt zerstört wurde. Beim im Jahre 1930 beendeten Wiederaufbau entstanden ĂŒber 200.000 neue GebĂ€ude, darunter viele nach westlichem Muster, sowie sieben StahlbetonbrĂŒcken ĂŒber den Fluss Sumida und einige Parks.
Im Zweiten Weltkrieg begannen die USA am 24. November 1944 mit der Bombardierung Tokios, und auch am 25. Februar und am 9. MĂ€rz 1945 flogen amerikanische Bomber schwere Luftangriffe. Ganze Stadtteile mit in traditioneller Holzbauweise errichteten GebĂ€uden wurden ein Raub der Flammen, ĂŒber 100.000 Menschen starben. Auch der historische Kaiserpalast wurde vernichtet.
WĂ€hrend der alliierten Besetzung Japans war Tokio von September 1945 bis April 1952 von amerikanischen Truppen besetzt. Danach erlebte die Stadt eine Phase raschen Wachstums.
Vom 10. Oktober bis 24. Oktober 1964 fanden in Tokio die XVIII. Olympischen Sommerspiele statt.
Am 20. MĂ€rz 1995 verĂŒbten Mitglieder der Omu Shinrikyo (Aum-Sekte) einen Sarin-Anschlag auf die Tokioter U-Bahn. Dabei starben zwölf Menschen, und ĂŒber 5.500 wurden verletzt.
Ausblick in die Zukunft
FĂŒr die nĂ€here Zukunft sagen Seismologen fĂŒr Tokio ein verheerendes Erdbeben in der GröĂenordnung des GroĂen Kanto-Erdbebens von 1923 vorher. Dies und die exorbitanten GrundstĂŒckspreise sind der Grund, dass seit den 1990er Jahren eine Verlegung der Hauptstadt weg von Tokio diskutiert und geplant wird â Hauptstadtverlegungen gab es aus religiösen und politischen GrĂŒnden in der japanischen Geschichte schon oft. Die drei Hauptstadt-Kandidaten sind Nasu, 300 Kilometer nördlich von Tokio, Higashino unweit der Olympiastadt Nagano in Zentraljapan, und eine neu zu errichtende Stadt in der Provinz Mie, unweit von Nagoya, 450 Kilometer westlich von Tokio. TatsĂ€chlich besteht bereits ein Parlamentsbeschluss zur Verlagerung der Hauptstadt, aber bisher sind noch keine AktivitĂ€ten erfolgt.
Bevölkerungsentwicklung
Schon seit dem 19. Jahrhundert hat Tokio mehr als eine Million Einwohner. Es war bereits damals zeitweilig gröĂte Stadt der Welt und neben London eine der damals zwei MillionenstĂ€dte der Erde.
Seit den spĂ€ten 1940er Jahren ist die Metropolregion Tokio erneut rasch gewachsen, sowohl nach FlĂ€che wie auch nach Einwohnerzahl. In ihr lebt ungefĂ€hr ein Viertel der Gesamtbevölkerung Japans. Ihre Ă€uĂere Grenze liegt zwischen 40 und 70 Kilometer vom Stadtzentrum entfernt. DemgegenĂŒber hat sich seit 1965 die Bevölkerung der 23 inneren Bezirke verringert.
Die 23 Hauptstadtbezirke haben zusammen 8,3 Millionen Einwohner. Der GroĂraum Tokio bildet gemeinsam mit den angrenzenden PrĂ€fekturen Kanagawa, Saitama und Chiba das gröĂte zusammenhĂ€ngende urbane Gebiet der Erde (Megaplex) mit 36,5 Millionen Einwohnern. (Stand: 1. Januar 2005).
Tokio hat drei weitere MillionenstĂ€dte als Vororte: (Yokohama, Saitama und Kawasaki). Im östlichen Vorort Chiba leben etwa 900.000 Menschen. Yokohama im SĂŒden Tokios hat mit 3,5 Millionen Einwohnern etwa ebenso viele Einwohner wie Berlin oder Madrid.
Politik
Tokio (Tokyo) ist die einzige to in Japan. Die japanische Regierung benutzt den Begriff Tokyo-to im Sinne von Metropole Tokio. Die Verwaltung mit Sitz in Shinjuku wird offiziell in direkter Ăbersetzung Tokio-Metropolregierung genannt. AuĂerhalb Japans wird jedoch Tokyo-to in der Regel als Tokio-PrĂ€fektur ĂŒbersetzt. Nach der Abschaffung der Provinzeinteilung bestand Tokyo-fu, eine urbane PrĂ€fektur wie Osaka und Kyoto, aus einer Anzahl von StĂ€dten, die zusammengewachsen waren. Die gröĂte davon war Tokio-Stadt und in 15 Stadtbezirke unterteilt.
1943 wurde Tokio-Stadt aufgelöst und Tokyo-fu zu Tokyo-to umbenannt. Tokios Stadtbezirke wurden zu den autonomen Stadtbezirken, die jede eine eigene Versammlung (kugikai) sowie BĂŒrgermeister (kucho) hatten und direkt der PrĂ€fektur unterstanden. Zu dem Zeitpunkt existierten 35 solcher Stadtbezirke, die auch die VorstĂ€dte und KleinstĂ€dte um Tokio umfassten.
Der Grund fĂŒr diese Neuordnung lag darin, die Verwaltung der Umgebung der Hauptstadt Tokio zu festigen, indem man die Verwaltung der Stadt Tokio auflöste. 1947 wurde Tokio aufgrund der BevölkerungsrĂŒckgĂ€nge, die durch die Auswirkungen des Zweiten Weltkrieges verursacht wurden, in die bis heute bestehenden 23 autonomen Stadtbezirke aufgeteilt. Das Wachstum des Megaplexes Tokios nach dem Krieg fĂŒhrte jedoch dazu, dass es in andere PrĂ€fekturen hineinwuchs.
Es gibt einige Unterschiede in der Terminologie zwischen Tokio und den anderen PrÀfekturen. Das liegt vor allem daran, dass Tokio zum einen die Hauptstadt Japans, zum anderen ein riesiger Megaplex ist. Zum Beispiel werden die Polizei- und Feuerwehrstationen als cho statt honbu bezeichnet. Der Hauptunterschied Tokios zu den anderen PrÀfekturen besteht darin, dass jeder Teil Tokios wiederum eine eigene Stadt ist. Heute haben diese Stadtbezirke annÀhernd den gleichen Grad an UnabhÀngigkeit wie andere japanische StÀdte, was in der Vergangenheit nicht der Fall war.
Kultur und SehenswĂŒrdigkeiten
Theater
Tokio besitzt viele Theater, in denen sowohl traditionelle Formen des Theaters â wie zum Beispiel No und Kabuki â als auch moderne StĂŒcke aufgefĂŒhrt werden. Mehrere Sinfonieorchester und viele kleinere Orchester haben westliche und traditionelle japanische Musik in ihrem Repertoire.
Theaterfreunde können sich entscheiden zwischen dem Opernhaus, dem Tokyo Globe Theatre, dem Kabuki-za-Theater, verschiedenen No-BĂŒhnen und dem Takarazuka Grand Theatre, in dem Revuen und Musicals aufgefĂŒhrt werden.
Das No-Theater ist ein traditionelles japanisches Theater, das nur von MĂ€nnern gespielt (getanzt) und musikalisch begleitet wird. Meist trĂ€gt der Hauptdarsteller eine Maske. Die traditionellen Themen betreffen meist japanische oder chinesische Mythologie oder Literatur. Einige No-TheaterstĂŒcke befassen sich mit Gegenwartsthemen.
Kabuki (Gesang-Tanz) ist das traditionelle japanische Theater der HÀndlerschicht der Edo-Zeit. Kabuki ist eine im Wesentlichen sÀkulare Kunstform und etwas weniger formell als das Àltere, vom Buddhismus geprÀgte No-Theater der Samurai. GrundsÀtzlich besteht ein Kabuki aus Gesang, Pantomime und Tanz.
Museen
Im Ueno-Park befinden sich das Nationalmuseum Tokyo, das Nationale Naturkundemuseum, das Nationalmuseum fĂŒr westliche Kunst und das Tokyo Metropolitan Art Museum. In der NĂ€he des Kaiserpalastes steht das Nationalmuseum fĂŒr moderne Kunst.
Das gröĂte Museum Japans ist das Nationalmuseum. Dort sind permanent etwa 2.500 Exponate ĂŒber die japanische Geschichte und Kultur ausgestellt, darunter nationale SchĂ€tze und bedeutende KulturgĂŒter des Landes. Manchmal werden zusĂ€tzlich noch Sonderausstellungen zu bestimmten Themen prĂ€sentiert, so dass ein ganzer Tag nicht ausreichend ist, um das gesamte Angebot des Museums zu besichtigen.
Das Edo-Tokyo Museum befindet sich in der NĂ€he der groĂen Sumo-Ringer-Halle sĂŒdlich von Asakusa und östlich des Hauptbahnhofs. Dort ist das alte Tokio in Miniatur nachgebaut worden, einzelne HĂ€user auch in OriginalgröĂe. Das Fukagawa-Edo Museum liegt nur wenige Hundert Meter sĂŒdlich des Edo-Tokyo Museums entlang der Oedo-U-Bahn-Linie. Es beherbergt ebenfalls viele alte HĂ€user aus der Edo-Zeit.
Bauwerke
Tokio ist heutzutage eine der schnelllebigsten und modernsten GroĂstĂ€dte der Welt und kreiert einerseits in vielen Bereichen wie beispielsweise Mode und Unterhaltungselektronik stĂ€ndig neue Trends, ist aber andererseits auch eng mit der japanischen Tradition verbunden.
Das Zentrum des Stadtgebiets bildet die alte Stadt Edo, die vom Kaiserpalast inmitten eines groĂen Parks dominiert wird. Bemerkenswert ist der Meiji-Schrein, ein Anziehungspunkt fĂŒr Touristen und GlĂ€ubige aus allen Teilen Japans. Im sĂŒdlich und westlich gelegenen Bezirk Kasumigaseki schlieĂen zahlreiche imposante RegierungsgebĂ€ude an, wie unter anderem die Staatskanzlei des Premierministers, das GebĂ€ude des nationalen Unterhauses (Sitz des Parlaments), der Oberste Gerichtshof und die staatlichen Ministerien.
Weiter sĂŒdlich, im Shiba-Park im Stadtbezirk Minato, befindet sich der 333 Meter hohe Tokio Tower (Tokyo tawa), eines der Wahrzeichen der Stadt.
Senso-ji in Asakusa Bezirk Taito ist der Àlteste und bekannteste Tempel in Tokio.
Ăstlich des kaiserlichen Palastes liegt der Bezirk Marunouchi, das bedeutendste GeschĂ€ftsviertel des Landes. Viele der groĂen Konzerne Japans und eine groĂe Anzahl an Einrichtungen des Finanzwesens haben hier ihre HauptgeschĂ€ftsstelle. Im Jahre 1914 erlangte dieser Bezirk nach der Eröffnung des Hauptbahnhofs groĂe Bedeutung. Im Osten von Marunouchi liegt das gröĂte Einkaufsviertel Tokios. Es erstreckt sich vom nördlich gelegenen Bezirk Nihonbashi bis nach Ginza im SĂŒden. Viele KaufhĂ€user, internationale Mode-Marken, traditionelle SpezialitĂ€tengeschĂ€fte, VergnĂŒgungslokale und Restaurants haben sich entlang der StraĂen dieser Bezirke angesiedelt.
Das zweite Stadtzentrum und ein weiterer Hochhausdistrikt ist der Bezirk Shinjuku um den Bahnhof Shinjuku herum, wo ebenfalls bedeutende Firmenzentralen und die PrÀfekturregierung angesiedelt sind.
AuslÀndische Firmen haben ihre Zentralen meist im Stadtteil Roppongi.
Weitere bedeutende Stadtzentren und SehenswĂŒrdigkeiten sind Akihabara (auch als Electric City (denki-machi) bekannt, ein groĂes Elektronik- und Computereinkaufsviertel und Treffpunkt der Otaku), der Tsukiji-Fischmarkt (gröĂter Fischmarkt der Welt), der Tokio Dome, der Ueno-Park mit Ueno-Bahn, das Kaufhaus Mitsukoshi und die Rainbow Bridge.
Parks
Auch wenn in Tokio der Eindruck von dichter Stadtlandschaft mit wenig GrĂŒn ĂŒberwiegt, gibt es im Stadtgebiet ĂŒber hundert öffentlicher Parks, wobei allerdings schon ein Spielplatz mit ein paar BĂ€umen als Park gilt. Die gröĂten innerstĂ€dtischen Parks Tokios sind der Ueno-Park (Taito-Bezirk), der Yoyogi-Park und der Shinjuku Gyoen, gefolgt vom Shinjuku-Chuo-Park, dem Hibiya-Park und den GrĂŒnanlagen rund um den Kaiserpalast (namentlich Ni-no-Maru-Park, Kita-no-Maru-Park, Chidori-ga-Fuchi-Park und Soto-Bori-Park).
Weitere empfehlenswerte Parks sind der Inogashira-Park (Stadt Mitaka, in der PrĂ€fektur Tokyo), der Koishikawa-Gorakuen, ein Landschaftsgarten auf dem GrundstĂŒck eines ehemaligen Daimyo-Anwesens direkt neben dem Tokyo Dome, und der Odaiba-Kaihin-Park, ein beliebter PĂ€rchentreff mit Blick auf die Bucht von Tokio.
Die bekanntesten VergnĂŒgungsparks in Tokio sind der Tokyo Sea Life Park, Hanayashiki, Toshimaen, Tokyo Disney Resort, der Tama-Zoo und der Ueno-Zoo.
Der Tama-Zoo (Tama dobutsu koen) ist der gröĂte Zoo von Tokio. Er wurde am 5. Mai 1958 eröffnet und umfasst ein GelĂ€nde von 52,3 Hektar. Der Zoo ist in drei ökologische Areale eingeteilt, den asiatischen Garten, den afrikanischen Garten und den australischen Garten. Dazu besitzt er ein Insektarium. In den jeweiligen GĂ€rten werden typische Tiere des jeweiligen Erdteils gezeigt. Er liegt vor dem Bahnhof Tama Dobutsu Koen der Keio-Dobutsuen-Linie und der Einschienenbahn Tama.
Der Ueno-Zoo ist der Ă€lteste Tierpark Japans. Er ist kleiner als der Tama-Zoo und befindet sich im Ueno-Park mitten in der Tokioter Innenstadt. Der Zoo ist durch eine in einem Einschnitt liegende StraĂe in zwei Teile geteilt, die mit einer BrĂŒcke und der Ueno-Zoo Monorail verbunden sind.
Einen Besuch wert sind der âHama-Rikyu-Gartenâ, ursprĂŒnglich der Garten der kaiserlichen Villa und bekannt fĂŒr seinen Meerwasserteich, der auch Ebbe und Flut hat sowie seine mit Glyzinien bewachsenen BrĂŒcken, sowie der âKiyosumi-Gartenâ. Er bekam seine gegenwĂ€rtige Gestalt von Baron Iwasaki im Jahre 1878. Ein kleiner Teich mit circa 10.000 Karpfen ist umgeben von groĂen Felsen, die aus ganz Japan stammen. 1924 wurde er der Stadt Tokio geschenkt.
Sehenswert sind auch die weiter im Westen, hinter den Vororten, gelegenen Teile der schönen Gebirgslandschaft des Chichibu-Tama-Nationalparks.
Sport
Neben der Sportart Sumo, dessen Turniere in Tokio im Januar, Mai und September stattfinden, sind Baseball und FuĂball in Japan sehr populĂ€r. Die SpielplĂ€ne werden in den Tageszeitungen veröffentlicht.
Die traditionellen Sportarten wie Aikido, Judo, Karate, Kyudo und Kendo sind ĂŒberwiegend nur in den jeweiligen Schulen zu bestimmten Zeiten zu besichtigen. Wer in Tokio joggen möchte, findet am Wassergraben um den Kaiserpalast viele Gleichgesinnte.
Mehrere olympische Bauten, unter anderen das Olympiastadion, befinden sich im Yoyogi-Park in der NÀhe des Meiji-Schreins. Die SportstÀtten wurden anlÀsslich der Olympischen Spiele im Jahre 1964 nach PlÀnen des Architekten Kenzo Tange (1913-2005) erbaut.
RegelmĂ€Ăige Veranstaltungen
JĂ€hrlich Anfang April öffnen sich in Tokio die KirschblĂŒten (sakura ). Sie symbolisieren Schönheit, Perfektion, aber auch VergĂ€nglichkeit auf der Höhe des Ruhmes. Die Menschen in Japan verehren die blassrosa Pracht deshalb als Sinnbild fĂŒr ein kurzes, aber erfĂŒlltes Leben. Die KirschblĂŒte ist auch die offizielle Pflanze von Tokio.
In den etwa zwei Wochen, in denen die Kirschen in der Stadt blĂŒhen, treffen sich Japaner zum Picknick (Hanami, wörtlich BlĂŒtenschau) in den Parks mit Freunden, Kollegen und Familie. Die KirschblĂŒte ist auch ein Anlass, zu fĂŒr ihre KirschblĂŒte besonders berĂŒhmten Parks und Gegenden zu reisen oder bekannte SehenswĂŒrdigkeiten neu zu erleben. BerĂŒhmt fĂŒr ihre KirschblĂŒten sind der Ueno-Park und der Park des Kaiserpalasts.
Kulinarische SpezialitÀten
In Tokio hat man die Auswahl unter mehr als 50.000 Restaurants. Kulinarisch betrachtet ist die Stadt aufregend und abenteuerlich, wenn man die heimischen SpezialitĂ€ten probiert. Diese bieten eine ĂŒberraschend groĂe Auswahl von preiswerten Nudelsuppen bis zum aristokratischen Kaiseki. Die Hauptrolle in der traditionellen japanischen KĂŒche spielen Fisch, Reis, Sojabohnen und GemĂŒse. Am bekanntesten ist Sashimi (roher Fisch).
FĂŒr die Haute Cuisine in Japan steht Kaiseki. Dieses aufwĂ€ndige Genusserlebnis besteht aus einer Vielzahl kleiner Leckerbissen und verkörpert die drei Ideale der einheimischen KĂŒche: aufwĂ€ndige Zubereitung, dekoratives Anrichten und erlesenes Ambiente. Es gilt als Krönung der japanischen Kochkunst und es werden nur absolut frische und möglichst naturbelassene Lebensmittel verwendet. Kaiseki, das sich aus einer Zwischenmahlzeit zur Teezeremonie entwickelte, wird heute in noblen Restaurants und Hotels serviert.
Die Japaner haben aber auch mit Rind, GeflĂŒgel und Schwein experimentiert und Köstlichkeiten wie Teppanyaki, Shabu-Shabu und Sukiyaki entwickelt. Besonders schmackhaft ist das marmorierte einheimische Rindfleisch, dessen teuerste Marke das Kobe Beef ist. Ein einfaches Mittag- oder Abendessen fĂŒr jeden Tag bieten die Zahlreichen Nudelrestaurants, die Udon, Soba oder Ramen preiswert an. Viele der kleinen Nudellokale in Tokio sind selbst nachts geöffnet und es gibt sie in fast jeder StraĂe.
Genauso beliebt sind nationale SpezialitĂ€tenrestaurants, âethnic foodâ genannt. Unter diesem Begriff verstehen Japaner alles, was nicht japanische oder westliche KĂŒche ist. Vorrangig finden sich hier chinesische, koreanische (Yakiniku), indische (Curry), thailĂ€ndische und vietnamesische Restaurants. Auch gibt es in Tokio eine signifikante Anzahl deutscher Restaurants. Modewellen bringen alle paar Jahre neues ethnic food nach Japan, die letzten Trends waren Bali food und Okinawa-KĂŒche. Tokio als Weltstadt versammelt auch eine groĂe Anzahl nationaler und internationaler Fast Food-Restaurant- und CafĂ©-Ketten, darunter Mos Burger, Royal Host, Yoshinoya, Kentucky Fried Chicken und Starbucks.
Wirtschaft und Infrastruktur
Wirtschaft
Viele Fabriken, UniversitĂ€ten, KrankenhĂ€user und andere Einrichtungen haben seit den 1930er Jahren ihren Standort in die AuĂenbezirke Tokios verlagert. Ab Mitte der 1950er Jahre beschleunigte sich dieser Prozess, als Japan einen bemerkenswerten wirtschaftlichen Aufschwung erlebte. Aufgrund des Bevölkerungswachstums entstanden Subzentren in den (damaligen) Randgebieten wie Ikebukuro, Shinjuku und Shibuya. Dort haben sich verschiedene Dienstleistungsbetriebe â unter anderem des Einzelhandels und des Finanzwesens â angesiedelt. Mittlerweile ist die GroĂstadt Tokio (japanisch shutoken ???, wörtlich Hauptstadt-Gebiet) in die umliegenden PrĂ€fekturen Ibaraki, Tochigi, Gunma, Saitama, Chiba, Kanagawa und Yamanashi hineingewachsen.
Am Ufer der Tokiobucht konzentrieren sich die modernen GroĂindustrien der Stadt. Dort liegt zwischen Tokio und Yokohama das gröĂte Industriegebiet Japans. Der dominierende Wirtschaftszweig ist die Schwerindustrie, die mehr als zwei Drittel des Gesamtproduktionswertes erwirtschaftet. Die Leichtindustrie ist breit gefĂ€chert: Hergestellt werden chemische Produkte, Kameras, Maschinen, Metallwaren, Nahrungsmittel, optische GerĂ€te und Textilien sowie eine groĂe Vielfalt an KonsumgĂŒtern.
Die Wirtschaft der Stadt ist hoch effizient, ihre StĂ€rken liegen besonders im Internationalen Handel und in der forschungsintensiven Hochtechnologie. Aufgrund des hohen Lohnniveaus haben Tokioter Firmen schon in den 1970er Jahren begonnen, ihre Produktion besonders nach SĂŒdostasien auszulagern. Die in diesen LĂ€ndern geschaffene Infrastruktur hat es aber in den letzten Jahren auch dortigen einheimischen Unternehmen erlaubt, zu ausgewachsenen Konkurrenten fĂŒr die Tokioter Industrie heranzuwachsen.
In den 1980er Jahren stiegen in Tokio die GrundstĂŒckspreise stark an. Es kam zu einem Immobilien-Boom (Bubble economy), wobei die GrundstĂŒcke von Unternehmen als Sicherheiten fĂŒr immer höhere Kredite benutzt wurden. Gleichzeitig stieg der Wert der Aktien und der Wert des Yen gegenĂŒber dem US-Dollar, aber auch die Staatsverschuldung des Landes. Die Unternehmen hatten sehr viel Kapital zur VerfĂŒgung, das teilweise zur Aquirierung von Unternehmen auĂerhalb Japans, vor allem in den USA, verwendet wurde, aber auch zu groĂer Geldverschwendung fĂŒhrte.
Die Situation wurde riskant, als die Banken begannen, durch die ĂŒberbewerteten Immobilien gegenfinanzierte Kredite auszugeben. Im Jahre 1990 platzte die Blase. Die GrundstĂŒckspreise sanken auf ein Viertel zurĂŒck, der Wert der Aktien kollabierte, und die Banken saĂen auf ihren âfaulen Kreditenâ. Seitdem befindet sich die Tokioter Wirtschaft in einer Phase der Wirtschaftsflaute und Deflation, auch die Asienkrise 1997/1998 verhinderte eine Erholung.
Das Regierungskabinett um Premierminister Junichiro Koizumi hat am Anfang dieses Jahrtausends Gesetze zur globalen Privatisierung erlassen (teilweise vergeblich) und mit der Erlassung von Gesetzen zur Kontrolle von auslÀndischen Investoren versucht, die noch schwÀchelnde Wirtschaft anzuregen. Obwohl bereits einige dieser Gesetze in Kraft sind, haben die Unternehmen noch nicht reagiert, und die alternde Bevölkerung soll nun die Wirtschaft ankurbeln.
Hinweise auf eine Besserung der Lage geben der China-Boom, der in den letzten Jahren eingesetzt hat, und Fortschritte in der Robotik-Forschung. Auch ist es den Banken seit Anfang der 1990er Jahre gelungen, eine Vielzahl der âfaulen Krediteâ abzuschreiben, und durch Fusionen den Sektor zu stabilisieren. Tokio ist heute neben New York und London einer der drei globalen FinanzplĂ€tze.
Verkehr
Fernverkehr
Mit dem Beginn der Meiji-Zeit zwischen 1868 und 1912 wurde in Japan ein Eisenbahnnetz errichtet, in dessen Zentrum Tokio liegt. Die Stadt ist ĂŒber Hauptlinien mit allen Teilen des Landes verbunden und ein gut ausgebautes Nebenliniennetz durchzieht das nahe Hinterland. Von den wichtigsten Bahnhöfen der Stadt â Ikebukuro, Shibuya, Shinagawa, Shinjuku, Tokyo (Hauptbahnhof) und Ueno, in der NĂ€he befindet sich auch die Ueno-Zoo Monorail â werden tĂ€glich mehrere Millionen Pendler befördert. Da die existierenden Hauptverbindungen bald ĂŒberlastet waren, sind neue Expresslinien (Shinkansen) eröffnet worden. Heute verkehren zwischen Tokio und Fukuoka HochgeschwindigkeitszĂŒge, die in circa sieben Stunden eine Entfernung von rund 1.070 Kilometern zurĂŒcklegen.
Der Flughafen Haneda an der Tokiobucht sĂŒdlich des Stadtzentrums diente lange Zeit sowohl dem internationalen als auch dem inlĂ€ndischen Flugverkehr, bis im Jahre 1978 der neue internationale GroĂflughafen Narita 55 Kilometer östlich des Stadtzentrums in der PrĂ€fektur Chiba eröffnet wurde. Auf diesem ist im April 2002 eine zweite Start- und Landebahn in Betrieb genommen worden, die dem Kurz- und Mittelstreckenbetrieb innerhalb Asiens dienen soll. Ăber den Flughafen Haneda werden heute vorwiegend InlandsflĂŒge abgewickelt. Auch fĂŒr den Flughafen Haneda ist eine zweite Landebahn geplant, um der wachsenden Nachfrage nach InlandflĂŒgen nachkommen zu können.
Der Flughafen Narita wird von fast allen internationalen und nationalen Fluggesellschaften angeflogen. Er kann ĂŒber zwei Bahnlinien erreicht werden. Dies sind der JR Narita Express mit den Haltestellen in Tokio, Shinjuku, Ikebukuro und Yokohama und die private Keisei-Linie mit den ZĂŒgen Keisei Skyliner und Limited Express, die den Bahnhof Ueno mit dem Flughafen Narita verbinden. Der Flughafen Haneda ist durch die Tokyo Monorail an die Yamanote-Linie angebunden.
Der Hafen von Tokio bildet in der Bucht von Tokio zusammen mit dem Westen von Yokohama und dem Osten von Chiba eine Einheit. 25 Prozent aller IndustriegĂŒter werden hier weltweit verschifft. Der jĂ€hrliche GĂŒterumschlag betrĂ€gt damit ĂŒber 360 Millionen Tonnen. Die meisten Industrien sind am Hafen angesiedelt, was die rasche Expansion der baulichen MaĂnahmen erklĂ€rt.
Nahverkehr
Die Modernisierung des StraĂennetzes der Stadt gestaltete sich besonders schwierig, da die StraĂen der alten Stadt Edo sehr eng und gewunden und fĂŒr den Autoverkehr völlig ungeeignet waren. Vor den Olympischen Spielen, die im Jahre 1964 in Tokio stattfanden, wurden jedoch strahlenförmig vom Stadtzentrum ausgehende HauptverkehrsstraĂen und Stadtautobahnen gebaut. Sie verbinden das Zentrum Tokios mit acht neuen RingstraĂen.
Seit den 1960er Jahren ist der private Autoverkehr allmĂ€hlich zugunsten des öffentlichen Busverkehrs reduziert worden. Der StraĂenverkehr wird auch heute noch durch die meist engen StraĂen und die fehlenden ParkplĂ€tze eingeschrĂ€nkt.
Seit der Eröffnung des ersten Streckenabschnitts der U-Bahn Tokio am 30. Dezember 1927 entstand ein Netz mit zwölf Linien und einer GesamtlĂ€nge von 292,6 Kilometern, eines der gröĂten der Welt. FĂŒr das Jahr 2007 ist die Inbetriebnahme einer weiteren Linie mit einer LĂ€nge von 8,9 Kilometern geplant.
Die U-Bahn von Tokio ist eine der am stÀrksten in Anspruch genommene U-Bahnen der Welt. Im Unterschied zu den meisten Metros anderer StÀdte werden auf den verschiedenen Linien der Tokioter U-Bahn Fahrzeuge mit verschiedenen Spurweiten, Stromabnehmersystemen und Spannungen eingesetzt, sodass diese Fahrzeuge jeweils nur auf ihren Linien verkehren können. Die U-Bahn wird von zwei Betrieben geleitet, der Tokyo Metro und der Toei (Verkehrsamt der PrÀfektur Tokio).
Die Stadt ist auch von einem dichten Netz von S-Bahnen der Japan Railways und privaten Vorortbahnen wie der Keio-Linie und der Odakyu-Linie durchzogen. Wichtigste S-Bahnen sind die Yamanote-Linie und die Chuo-Linie.
Der öffentliche Verkehr wird auĂerdem von stĂ€dtischen und privaten Bussen sowie einer StraĂenbahnlinie und diversen alternativen Schienensystemen wie der Yurikamome bewĂ€ltigt. Ăber 80 Prozent der beförderten Personen werden in Tokio mit dem Bahnnetz befördert. Trotzdem gibt es in Tokio aufgrund des hohen Verkehrsaufkommens noch groĂe Probleme.
Weil der Platz knapp ist, liegen einige Fahrschulen auf DĂ€chern. Die Ă€lteste, im Norden Tokios, seit 1966 auf einem (âIto-Yokadoâ) Supermarkt, fĂŒhrt dort 35 Autos, je mit Fahrlehrer, auf imitierten Kreuzungen und Zebrastreifen. Der Motorrad-Unterricht wurde wegen Absturzgefahr gestrichen. Die Idee haben lĂ€ngst auch andere japanische StĂ€dte aufgegriffen.
Bildung
Tokio ist Mittelpunkt des Bildungswesens in Japan. Die zahlreichen staatlichen und privaten UniversitÀten der Metropolregion machen ein Viertel aller UniversitÀten des Landes aus, an denen ungefÀhr ein Drittel aller Studenten Japans eingeschrieben sind.
Die UniversitĂ€t Tokio (Tokyo daigaku, bekannt unter der AbkĂŒrzung Todai) ist die Ă€lteste und renommierteste staatliche UniversitĂ€t Japans. Sie besitzt fĂŒnf Campusse â vier in den Tokioter Stadtbereichen Hongo, Komaba, Shirokane und Nakano, und einen in Kashiwa in der PrĂ€fektur Chiba â sowie zehn FakultĂ€ten mit insgesamt circa 28.000 Studenten, von denen 2.100 AuslĂ€nder sind. Obwohl so gut wie jeder akademische Zweig an der Todai unterrichtet wird, ist sie vermutlich am meisten fĂŒr ihre Jura- und Literatur-FakultĂ€ten bekannt. Viele wichtige japanische Politiker sind Absolventen der Todai. Der Hauptcampus liegt auf dem ehemaligen GrundstĂŒck von Kaga Yashiki, einem Feudalherren der Edo-Zeit. Eine prominente Begrenzung des dortigen UniversitĂ€tsgelĂ€ndes, das Akamon (Rotes Tor), ist ein Ăberbleibsel aus dieser Zeit.
Die Keio-UniversitĂ€t (Keio gijuku daigaku) ist Japans Ă€lteste und eine der prestigetrĂ€chtigsten Einrichtungen fĂŒr höhere Bildung. Sie wurde 1858 vom berĂŒhmten Erzieher und Autor Fukuzawa Yukichi als Privatschule fĂŒr westliche Studien gegrĂŒndet und richtete 1890 ihre erste FakultĂ€t ein. Obwohl Keio die erste fortschrittliche Schule in Japan war, verblasste ihre Bedeutung rasch neben der staatlich unterstĂŒtzten UniversitĂ€t Tokio. Ein Grund dafĂŒr mag das getrĂŒbte VerhĂ€ltnis von Fukuzawa Yukichi zu den Samurai gewesen sein, die die damalige Meiji-Regierung stĂŒtzten. Keio wetteifert in der Rangordnung noch immer mit der Waseda-UniversitĂ€t um Platz zwei. Ein berĂŒhmter ehemaliger Student der Keio ist Japans derzeitiger Premierminister Junichiro Koizumi. Der Hauptcampus liegt im Tokioter Stadtteil Mita. ZusĂ€tzlich gibt es noch die Campusse Hiyoshi, Shonan-Fujisawa und New York Keio.
Die Waseda-UniversitĂ€t (Waseda daigaku) liegt im Norden des Stadtbezirks Shinjuku. Die Schule wurde von dem gelehrten Samurai Shigenobu Okuma im Jahre 1882 gegrĂŒndet und 1902 zu einer vollwertigen UniversitĂ€t erklĂ€rt. GroĂe Teile des Campus wurden wĂ€hrend der Bombardierung Tokios im Zweiten Weltkrieg zerstört, doch die UniversitĂ€t wurde wieder aufgebaut und 1949 wiedereröffnet. Wasedas Literaturzweig ist besonders berĂŒhmt und zĂ€hlt Haruki Murakami und Machi Tawara zu seinen Absolventen. Einige berĂŒhmte Politiker, zum Beispiel der ehemalige Premierminister Yoshiro Mori und die ehemalige AuĂenministerin Makiko Tanaka, sind ebenfalls ehemalige Waseda-Studenten. Die UniversitĂ€t war auch an der Entwicklung von WL-16, einem laufenden Roboter, beteiligt.
Weitere UniversitĂ€ten sind die Hosei-UniversitĂ€t, die Rikkyo (St Paul’s)-UniversitĂ€t, die Sophia UniversitĂ€t, die National University of Fine Arts and Music, die Musashino Art University und die LandwirtschaftsuniversitĂ€t Tokyo (Tokyo nogyo daigaku). Nahe dem Kaiserpalast befinden sich die staatliche Bibliothek des Unterhauses und das Staatsarchiv.
Persönlichkeiten
In Tokio sind zahlreiche bekannte Persönlichkeiten geboren. Dazu gehören unter anderem die US-amerikanische SĂ€ngerin Nikka Costa, die US-amerikanische Filmschauspielerin Joan Fontaine, die englische Filmschauspielerin Olivia de Havilland, der japanische Karate-GroĂmeister Taiji Kase, der Maler Takashi Murakami, der US-amerikanische Japanologe Edwin O. Reischauer, die japanische Prinzessin Takamatsu, die norwegische Schauspielerin und Regisseurin Liv Ullmann und der Journalist des deutschen Fernsehens und Moderator Ulrich Wickert.
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Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Tokio aus der freien EnzyklopĂ€die Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz fĂŒr freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfĂŒgbar.
Das obige Bild basiert auf dem Bild "Shinjuku-neon Tokyo" aus der freien Mediendatenbank Commons und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. Der Urheber des Bildes ist Michael Reeve.
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