Chinesische Schriftzeichen
Die chinesischen Schriftzeichen (chin. hànzì, kor. hanja, jap. kanji) sind die Zeichen der chinesischen Schrift. Ein chinesisches Schriftzeichen ist die graphemische Repräsentation einer Silbe der chinesischen Sprache.
Chinesische Zeichen werden außerdem in der japanischen Schrift als Kanji, der koreanischen Schrift als Hanja und in der vietnamesischen Schrift als chu Hán verwendet.
Anzahl der Schriftzeichen
Ein durchschnittliches chinesisches Wörterbuch listet etwa 10.000 Zeichen auf. Für den täglichen Gebrauch, z.B. zum Zeitungslesen reichen allerdings 5000-6000 Zeichen, Kinder lernen in der Schule etwa 2000 Zeichen. Die größten Schriftgelehrten kennen etwa 8000 Zeichen auswendig. Das bisher umfangreichste Wörterbuch Zhonghuá Zìhai aus dem Jahr 1994 enthält rund 87.000 verschiedene Schriftzeichen und Varianten. Die Mehrzahl dieser Zeichen kommt nur in alter Literatur, in geographischen Bezeichnungen oder in Dialekten vor oder es handelt sich um Varianten. Manche Schriftzeichen kommen nur in einem einzigen Kontext vor. Das Schriftzeichen kan z. B. wird nur für die Festung Chikanlou in Tainan auf Taiwan verwendet, das Zeichen lì nur im Namen der taiwanischen Stadt Zhongli.
Die Liste der gebräuchlichen chinesischen Schriftzeichen des taiwanischen Erziehungsministeriums führt 4808 Zeichen auf.
Das Anspruchsniveau “Chinesischer Wortschatz und Chinesische Schriftzeichen” für Chinesisch als Fremdsprache verzeichnet für Stufe A 800 Zeichen, für die Stufe B weitere 804 Zeichen, für die Stufe C weitere 601 und für die Stufe D weitere 700 Zeichen. Das macht in der Summe 2905 Zeichen.
Die Liste des japanischen Erziehungsministeriums umfasst 1945 gebräuchliche Kanji (joyo kanji), die in der Grund- und Mittelschule unterrichtet werden. Daneben gibt es eine staatliche Liste der Zeichen für geographische Namen und Personennamen (jinmeiyo kanji), die 2928 Zeichen umfasst.
Die Schüler an den Mittel- und Oberschulen in Korea lernen 1800-2000 chinesische Zeichen.
Einteilung der Schriftzeichen
Schriftzeichen werden in China in sechs Kategorien (chin. liùshu) eingeteilt:
- (Xiàngxíng, „Bildzeichen“) – Piktogramme, die das Bezeichnete entsprechend der Erscheinungsform wiedergeben.
- (Zhishì, „auf Tatbestände deuten“) – Symbole, Ideogramme.
- (Huìyì, „Vereinigung der Bedeutungen“) – Zeichen, die aus zwei oder mehr Zeichen mit verschiedenen Bedeutungen zusammengesetzt sind und deren Inhalt mit dem neuen Gesamtinhalt zusammenhängt.
- (Xíngsheng, „Form und Ton“) – Zeichen, die aus einem laut- und einem bedeutungsandeutenden Zeichen zusammengesetzt sind (Phonogramme). Ein Beispiel dafür ist das Zeichen ? (ma, „Mutter“). Die rechte Komponente (ma, „Pferd“) gibt die Aussprache an, während die linke Komponente (nu, „Frau“) den Hinweis auf die Bedeutung gibt. Die bedeutungstragende Komponente ist oft auch das Radikal, nach dem die Zeichen in Wörterbüchern angeordnet werden.
- (Jiajiè, „unter falschem Namen“) – Zeichen, die wegen gleichen Lauts für eine andere Bedeutung verwendet werden.
- (Zhuanzhù, „wenden und gießen“) – Synonyme.
Etwa 90% Prozent aller chinesischen Schriftzeichen fallen als Phonogramme in die Gruppe 4.
Systematik
Das älteste Lexikon für chinesische Schriftzeichen ist das Shuowen Jiezi (dt. Erklärung der einfachen Zeichen und Erläuterung der zusammengesetzten Zeichen) aus dem Jahr 121 n. Chr.. Die Schriftzeichen sind dort nach einem System von Elementarzeichen, den sog. Radikalen, eingeteilt.
Diese Klassifizierung der Schriftzeichen nach Radikalen hat sich bis heute erhalten. Die Anzahl der Radikale, die im Shuowen jiezi noch 512 betrug, wurde jedoch immer weiter reduziert, so dass die heute am weitesten verbreitete Liste traditioneller Radikale 214 Klassenzeichen verwendet. Diese Einteilung wurde vor allem durch das Kangxi Zidian (Kangxi-Wörterbuch) aus dem Jahre 1716 unterstützt, das bereits ca. 49.000 Schriftzeichen enthält. Wörterbücher für vereinfachte Schriftzeichen verwenden eine andere Anzahl an Radikalen, oftmals sind es 227 Radikale.
Für eine systematische Anordnung der chinesischen Wörter in Telefonbüchern und allgemeinen Lexika (im Gegensatz zu speziellen Schriftzeichen-Lexika) wird heute meist die Anordnung entsprechend der Pinyin-Umschrift verwendet. (Im Koreanischen und Japanischen werden die Wörter dagegen entsprechend ihrer Umschrift in die Silbenalphabete angeordnet.)
Chinesische Schriftzeichen außerhalb Chinas
Im Rahmen des Kulturtransfers, der Eroberung und der Missionierung durch den Buddhismus gelangten die chinesischen Schriftzeichen im Laufe der Jahrhunderte z. B. auch nach Korea (im 2. Jahrhundert), Japan (im 3. Jahrhundert) und Vietnam (im 1. Jahrhundert).
In Japan, wo auch heute noch chinesische Schriftzeichen, Kanji genannt, verwendet werden, z.T. in japanischen vereinfachten Varianten der Langzeichen, wurden die chinesischen Zeichen, durch Eigenentwicklungen Kokuji und die aus chinesischen Zeichen entstandenen Silbenschriften Hiragana und Katakana ergänzt.
In Korea wurde zunächst nur mit chinesischen Zeichen geschrieben. Im Jahr 1446 führte man parallel dazu die neu entwickelte, Phonem-basierte Schrift Hangeul ein. In Südkorea wird bis heute in manchen Druckwerken ein gemischtes System aus chinesischen Zeichen (dort Hanja genannt) und Hangeul verwendet, in Nordkorea wurden im Rahmen einer Schriftreform die chinesischen Zeichen wieder abgeschafft. Eigene Schriftzeichen nach chinesischem Vorbild heißen Gugja.
Auch Vietnam nutzte chinesische Schriftzeichen, genannt Ch? Hán und eigene Entwicklungen nach chinesischem Vorbild (Chu nôm). Später verzichtete man ab dem Ende der französischen Kolonialherrschaft auf die chinesische Schrift; hier wurde sie durch eine um diverse diakritische Zeichen ergänzte Lateinschrift ersetzt.
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