Chinesische Schrift
Die chinesische Schrift fixiert die chinesische Sprache mit chinesischen Schriftzeichen. Sie ist damit ein zentraler Träger der chinesischen Kultur.
Ein Schriftzeichen repräsentiert im Großteil der Fälle eine Silbe als Lautstruktur eines Morphems. Die chinesische Schrift ist jedoch keine Silbenschrift, denn gleichlautende Silben werden nicht jeweils durch ein einheitliches Zeichen wiedergegeben, beziehungsweise verschiedene Morpheme mit der gleichen Lautstruktur werden auch durch verschiedene Zeichen wiedergegeben. Die chinesische Schrift ist eine Morphemschrift.
Entgegen der landläufigen Meinung hat die chinesische Schrift weder piktographischen noch logographischen Charakter. Die Zeichen der chinesischen Schrift repräsentieren Einheiten der Sprache. Anders als das Kaufmanns-Und (&) steht das chinesische Zeichen für eine Einheit mit Laut- und Bedeutungsstruktur und übermittelt seine Bedeutung nicht durch eine mit dem Zeichen verknüpfte konventionalisierte Allgemeinvorstellung, für die es in der Sprache kein Wort (als Einheit von Laut- und Bedeutung) gäbe.
Ob die chinesische Schrift in ganz China trotz der heterogenen Sprachsituation überregional verständlich ist, hängt in erster Linie von der Sprach- und Schriftkompetenz des jeweiligen Chinesen ab. Ein guter europäischer Lateinschüler ist ebenfalls in der Lage, alle romanischen Sprachen (z. B. Italienisch, Französisch oder Spanisch) zu lesen (Stichwort: Eurokomprehension). Diese Tatsache lässt aber lediglich Rückschlüsse auf die Ähnlichkeit der Sprachen zu und ist in keinem Fall auf einen logographischen Charakter der Schrift zurückzuführen.
Seit dem 15. Jahrhundert existiert in der Provinz Hunan auch eine auf Basis der Chinesischen Schrift speziell für den Gebrauch durch Frauen entwickelte eigenständige Schrift, die nur von ihnen verwendet wurde, die Nüshu.

Orchideenpavillon des chinesischen Kalligrafen Wang Xizhi
Bedeutung
Die Bedeutung der Schrift in China konstituiert sich hauptsächlich aus zwei Aspekten:
- Sie dokumentiert die vier Jahrtausende alte Schriftkultur des chinesischen Volkes und stärkt damit das Nationalbewusstsein.
- Ihre Beherrschung kennzeichnet Grade sozialen Ansehens in der modernen chinesischen Gesellschaft.
In Europa geht man im Allgemeinen davon aus, die Voraussetzung für die Erfindung der Schrift sei das Bedürfnis nach Verwaltung (von Korn, Wasser u.a.) gewesen. Schriften hätten sich deshalb in frühester Zeit vorzugsweise in Imperien niedergelassener, Ackerbau betreibender oder hydraulischer Kulturen entwickelt (z.B. Phönizier, Hebräer, Araber). In China herrscht hingegen die allgemeine Auffassung vor, die ältesten Schriftfragmente, die man zu sehen bekommen könne, seien die Inschriften auf Orakelknochen. Dies bedeutet im übertragenen Sinne, es herrscht die Meinung vor, Schrift sei aus der Motivation entstanden ein Medium zu konstruieren für die Kommunikation mit einem Gott. Den Ursprüngen der chinesischen Schrift wird also etwas Magisches nahe gelegt.
Man hat heute in China zeitlich linear und lückenlos verlaufende Abfolgen von Schriftzeichenvarianten aufgestellt, aber die Kontinuität der Schrift in der chinesischen Sprachgeschichte kann nur bis zur Shang-Dynastie verfolgt werden. Die Verbindung zu noch ältere archäologische Funde ist aktuelle Forschungsthema.
Anders als in Europa, wo der griechische Atomismus zur Zerlegung der Sprache in die kleinsten Einheiten und damit zu der Herausbildung einer Schrift geführt hat, die wir heute insofern als „phonetisch“ bezeichnen, als dass der Anspruch besteht, die allerkleinste Lauteinheit schriftlich zu repräsentieren, versuchte man im Chinesischen erst zu Beginn der Latinisierungsbestrebungen explizite schriftliche Zeichen als Repräsentanten einzelner kleinster Laute der Sprache zu finden. Als offizielle Einheiten der Schriftsprache gelten jedoch bis heute die aus der chinesischen Kultur überlieferten Schriftzeichen (die meist ganze Silben repräsentieren).
Die Bedeutung der Schrift konstituiert sich im modernen China insbesondere dadurch, dass das Bildungsmonopol nicht mehr bei einer spezifischen Gesellschaftsschicht liegt, wie im alten China bei den Beamtengelehrten oder wie auch im europäischen Mittelalter die lateinische Schrift beim Klerus. Ereignisse wie die Bewegung des vierten Mai und die Baihua-Bewegung trugen mit dazu bei, dass das Prestige einer Volkssprache im Gegensatz zur klassischen Bildungssprache stieg und der Anspruch entstand, die Literatizität im ganzen Volk zu verbreiten. Heute herrscht die Auffassung vor, dass Schreib und Lesekompetenz ein Bildungsgut ist, dass bei allen Chinesen gleichermaßen angestrebt ist und die kommunistische Regierung bekämpft das Analphabetentum. Schriftkompetenz ist aufgrund dieser gesellschaftlichen Entwicklungen im modernen China wie in vielen anderen modernen Staaten auch an Grade des sozialen Ansehens gebunden.
Geschichtliche Entwicklung der chinesischen Schrift
Historie bis zur Volksrepublik China
Die chinesische Schrift ist über 3.000 Jahre alt. Die ältesten bisher gefundenen chinesischen Schriftzeichen sind in Rinderknochen (vor allem in das Schulterblatt, sogenannte Orakelknochen) und Schildkrötenpanzer (zum Weissagen der Jagd etc.) eingeritzte Bildzeichen aus der Zeit um 1400 v. Chr., die 1899 in Anyang entdeckt wurden. Man geht davon aus, dass zum damaligen Zeitpunkt bereits 5.000 verschiedene Zeichen existierten.
Mitte des ersten vorchristlichen Jahrtausends entwickelte sich die Bilderschrift zu einer verkehrsfähigen Schrift, die in der Lage war, Syntax und Semantik einiger der damaligen Sprachen im Raum der heutigen Volksrepublik China vollständig abzubilden. Mit der chinesischen Reichseinigung unter dem ersten Kaiser Qin Shihuangdi 221 v. Chr. fand eine große Schriftvereinheitlichung statt.
Im Zusammenspiel mit dem seit der Reichseinigung (Qin-Dynastie) etablierten Beamtenstaat wurde die chinesische Schriftsprache durch ihre Verwendung im gesamten Einzugsbereich des chinesischen Kaiserreiches zur Lingua franca, die die verschiedenen chinesischen Sprachgemeinschaften miteinander verband und eine relative Geschlossenheit des chinesischen Kulturraums ermöglichte.
In China mussten Politiker und Beamte bis ins 20. Jahrhundert hinein gute Literaten sein, wenn sie Einfluss gewinnen wollten – und nicht, wie im Westen, gute Redner. An vielen Stellen wird beschrieben, wie groß die Enttäuschung bei vielen Chinesen war, als sie Politiker wie Mao Zedong oder Deng Xiaoping zum ersten Mal sprechen hörten.
Schriftreform in der Volksrepublik China
Am 28. Januar 1956 wurde auf der 23. Plenarsitzung des Staatsrates des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Chinas das „Konzept zur Verkürzung der chinesischen Schriftzeichen“ angenommen und am 31. Januar von der Tageszeitung „Renmin Ribao“ veröffentlicht. Bei der Vereinfachung der Schriftzeichen wurde auch auf eine große Zahl von Schreibungen zurückgegriffen, die schon bei handschriftlich verfassten Texten in der Zeit der Nord- und Süd-Dynastien verwendet wurden. In der Tang-Dynastie wurden bereits sehr viele Kurzzeichen von Dichtern benutzt. Im Königreich der Taiping-Rebellen wurden ebenfalls Kurzzeichen benutzt, von denen über 50 Stück in das „Konzept zur Verkürzung der chinesischen Schriftzeichen“ in der Volksrepublik China aufgenommen wurden. Das Engagement für die Einführung von Kurzzeichen beginnt bereits bei den Aktivitäten der Intellektuellen der Bewegung des vierten Mai, wie Qian Xuantong.
Die Schriftreformen in der Volksrepublik China beziehen sich jedoch nicht nur auf die Reduzierung der Anzahl der Striche innerhalb eines Schriftzeichens, sondern auch auf die Festlegung eines standardisierten Lauts eines Zeichens, die Festlegung einer standardisierten Schriftart, die Festlegung der Menge der Schriftzeichen im allgemeinen Gebrauch, sowie auf eine Systematisierung der Schriftzeichen, zum Beispiel bei der Anordnung in Lexika.
Parallel zu den vereinfachten Zeichen werden die traditionellen Langzeichen jedoch bis heute teilweise verwendet und kehren seit den zunehmenden Lockerungen in der Volksrepublik immer mehr in den Alltag zurück. Dennoch ist es für einen durchschnittlich gebildeten Chinesen nicht möglich, die Langzeichen alter Texte, die nicht übertragen wurden, zu lesen.
Auf Taiwan sowie in Hongkong und Macao wurde die Tradition des Schreibens mit Langzeichen bis heute beibehalten, weil dort die Reformen von 1958/1959 nicht durchgeführt wurden. Sie ist auch bei Überseechinesen verbreitet. So blieb die symbolische Bedeutung der Zeichen und Radikale erkennbar. In handschriftlichen Texten sind jedoch traditionell eine ganze Reihe von Kurzschreibungen gängig, die zum Teil den Kurzzeichen der Volksrepublik China entsprechen.
Chinesische Schrift außerhalb Chinas
Die Regierung von Singapur hat sich im Gegensatz zur taiwanesischen Regierung den Schriftreformen der Volksrepublik China angeschlossen und benutzt seit den 1970er Jahren ebenfalls chinesische Kurzzeichen und einen horizontalen Schreibstil, da dort die Bevölkerung zu 76% aus Han-Chinesen besteht.
Schriftbild
Schreibrichtung
Die Schreibrichtung der chinesischen Schrift war in der vormodernen Zeit in der Regel senkrecht von oben nach unten, und die daraus entstehenden Spalten waren von rechts nach links angeordnet.
Seit der Schriftreform wird in der VR China in Büchern meistens wie bei europäischen Büchern in Zeilen von links nach rechts und mit von oben nach unten angeordneten Zeilen geschrieben.
In Taiwan gedruckte Bücher literarischen Inhalts werden jedoch nach wie vor von oben nach unten gelesen. Für Zeitungen und Zeitschriften sowie Sachtexte und Fachbücher gilt das jedoch nur bedingt. In Anzeigen, und häufiger auch in der Werbung, wird, wenn im Text auch westliche (Marken-)namen auftauchen, die Schreibweise von links nach rechts verwendet. Bei Kalligraphie und Gedichten gibt es fast nur die Schreibrichtung von oben nach unten.
In Japan findet man beide Varianten, wobei literarische Texte eher in Spalten, Sachtexte eher in Zeilen gedruckt werden. In Zeitungen wird beides vermischt verwendet, wodurch sich mehr Möglichkeiten für ein ansprechendes Layout ohne extrem kurze Zeilen (bzw. Spalten) ergeben.
Von oben nach unten gedruckte Bücher, also in Taiwan gedruckte und die meisten japanischen, werden aus europäischer Sicht auf der „falschen“ Seite, also „hinten“ geöffnet. Blickt man auf die Titelseite, so ist der Buchrücken also rechts und nicht wie in Europa links. Bücher, bei denen die Schriftzeichen von links nach rechts angeordnet sind, haben die Titelseite auf der für uns gewohnten Seite und werden wie europäische Bücher geöffnet und gelesen.
Inschriften über Portalen und Türen sind in der VR China häufiger von rechts nach links geschrieben. In Japan sind Portalüberschriften eher – so wie in Europa – in Zeilen von links nach rechts, bei Tempeln und Schreinen allerdings fast ausschließlich traditionell von rechts nach links geschrieben. In Taiwan laufen die Inschriften über Tempeltoren und Altären von rechts nach links.
Zusammenschreibung von Wörtern Chinesische Wörter setzen sich zumeist aus mehreren Zeichen zusammen. Ursprünglich bestanden im klassischen antiken Chinesisch, vor allem in der Schriftsprache, die meisten Wörter aus nur einem oder zwei Zeichen. Die zunehmende Verlängerung der Wörter hat sich im 20. Jahrhundert seit der Gründung der Republik jedoch immer mehr verstärkt.
Bei Chinesischer Schrift, die mit chinesischen Schriftzeichen wiedergegeben wird, werden keine Wortgrenzen, wie beispielsweise durch Leerzeichen, markiert, denn die Schriftzeichen haben alle den gleichen Abstand voneinander. Was chinesische Schrift betrifft, die mit lateinischen Buchstaben wiedergegeben wird, wird in der Volksrepublik China seit 1988 die Zusammenschreibung von Wörtern propagiert.
Interpunktion
Die Interpunktion in ihrer heutigen Form wurde durch den Kontakt mit dem Westen erst nach und nach im 20. Jahrhundert eingeführt. Allerdings sind schon bei den frühgeschichtlichen Knocheninschriften eingeritzte Striche zu erkennen, die wahrscheinlich zur Abgrenzung semantischer Einheiten dienten. In antiken chinesischen Texten war Interpunktion unüblich, die Leser konnten die Pausen selbst in die Texte schreiben. Diese bestanden meistens aus einem kleinen Kreis oder aus einem Punkt. Der Vorgang des Hineinschreibens der Interpunktion in den Text wird seit der Han-Zeit als jùdòu, dt. Satzzäsur bezeichnet. Große Gelehrte konnte man an der souveränen Art ihrer Interpunktionssetzung erkennen. Noch heute findet man z. B. in taiwanesischen Buchhandlungen Ausgaben von Klassikern, in denen die Zeichensetzung berühmter Gelehrter notiert ist.
Seit September 1951 ist die Interpunktion in der Volksrepublik China amtlich geregelt. Nach dem Stand von 1990 gibt es 16 Interpunktionszeichen, die überwiegend den im Westen gebräuchlichen entsprechen und ähnlich verwendet werden. Besonders sind der den Satz abschließende Punkt sowie das Aufzählungen gliedernde „liegende“ Komma.
Drucksatz
Beim Druck chinesischer Texte werden alle Zeichen, einschließlich der Satzzeichen, in gleich große, ungefähr quadratisch gedachte Kästchen gesetzt. Zeichen unterschiedlicher Laufweite – vgl. etwa das lateinische m gegenüber dem i – gibt es somit nicht. Um auch die Details der kompliziertesten Zeichen mit 20 oder mehr Strichen noch erkennen zu können, darf die Schrifttype insgesamt nicht zu klein gewählt werden. Bei selteneren Zeichen wird oft daneben oder darüber sehr klein die Aussprache angegeben (durch Zhuyin, in der VR China bis 1956 und in Taiwan bis heute, oder durch Furigana in Japan).
Leerzeichen zwischen Wörtern sind in der chinesischen Schrift unüblich. Dadurch gibt es keine klare Abgrenzung des Begriffs „Wort“ in den Sprachen, die die chinesische Schrift verwenden. Oft sind sich sogar Muttersprachler nicht einig darüber, ob ein bestimmtes Element in einem Satz z. B. eine Endung oder ein eigenes Wort ist.
Eine Textzeile wird, sobald sie voll ist, an einer beliebigen Stelle umbrochen; Trennungsregeln gibt es nicht. Nur unmittelbar vor einem Satzzeichen wird nicht getrennt, in diesem Fall wird ein Zeichen in die nächste Zeile übernommen.
Schriftmedien
Vom Altertum zur Neuzeit
Als besondere Schriftmedien des chinesischen Altertums gelten die Seide und der Bambus, der in schmale Brettchen geschnitten und beschrieben wurde (z.B. Guodian-Bambustexte). Beide findet man im europäischen Altertum nicht. Es herrschte die Verwendung von Pergament vor. Als eine der ersten Kulturen verwendete China das Papier. Als Erfinder des Papiers wird der Chinese Cai Lun verehrt, der die bahnbrechende Idee zur Entwicklung des kostengünstigen Schreibträgers im Jahre 105 n. Chr gehabt haben soll. Erst etwa um 1500 wurde das Papier auch in Deutschland verwendet.
Die Chinesen verwendeten Pinsel und schwarze und rote Tusche, um ihre Schriftzeichen auf Papier und Seide zu kalligrafieren. Als Erfinder des Pinsels gilt in China Meng Tian. Tusche wird in China seit der Han-Zeit aus dem Ruß von Kiefernholz hergestellt und als Tuschestein in den Handel gebracht. Siegelabdrücke waren schon lange vor dem 14. Jahrhundert bekannt. Pinsel, Tusche, Reibstein und Papier gelten auch heute noch als die vier Schätze des traditionellen Gelehrtenzimmers.
Trotz der Erfindung des Papiers sind aus dem vierten Jahr der Regierungsdevise Xiping des Kaisers Han Lingdi der östlichen Han-Dynastie (175 nach Christus) wichtige (älteste) chinesische Steinmeißelungen erhalten, die klassische Werke der konfuzianischen Schule, wie „Shijing“ (das Buch der Lieder), „Shangshu“ (Buch der Urkunden), „Yili“ (Etikette und Riten), „Yijing“ (I Ging), „Chunqiu“ (die Frühlings- und Herbstannalen), „Gongyangchuan“, „Lunyu“ (Analekten des Konfuzius) konserviert haben. Weitere Steingravuren sind die drei Klassiker „Shangshu“, „Chunqiu“, „Zuozhuan“ aus dem zweiten Jahr der Regierungszeit Zhengshi der Wei-Dynastie (241 nach Christus), die in den Schriftarten “Antikchinesische Schrift” (guwen), “Siegelschrift des Kaisers Qin” und “vereinfachte Kanzleischrift” fixiert sind.
Mit der Unterstützung der Missionare setzte sich der Buchdruck in China durch und führte zum Ausbau von Printmedien, zum Beispiel der Shanghaier Tageszeitung Shenbao.
Im modernen Alltagsgebrauch wird mit den auch im Westen üblichen Schreibgeräten geschrieben; im Schreibunterricht in den Grundschulen Taiwans meist mit Bleistift in besonderen Schreibheften mit quadratischen Schreibfeldern.
Kalligrafie
Die Kalligrafie ist eine in China hochangesehene Kunst. Hierbei werden mit einem Pinsel die Zeichen schwungvoll zu Papier gebracht. Diese Schriftzüge gelten genauso als Kunstobjekte wie z. B. Malereien. Es ist in der chinesischen Malerei sogar üblich, Schriftzeichen in das Bild zu integrieren; buddhistische Mandalas werden im chinesischen Kulturraum, anders als in Südasien, eher mit Schriftzeichen als mit bildlichen Darstellungen gestaltet.
In Japan wurde im Gegensatz zu China nach dem Grundprinzip Wabi-Sabi oft ein nicht im klassischen Sinne schönes, sondern bewusst „rohes“ und unfertiges Aussehen angestrebt.
Kalligrafische Kunstwerke zieren häufig als paarige senkrechte Schrifttafeln und waagerechte Namensschilder den typischen chinesischen Garten. Sie sind von den Gartenbauten fast nicht zu trennen und bilden wichtige Schmuckelemente im chinesischen Landschaftsgarten. Der Inhalt der Tafeln und Schilder ist im allgemeinen auf die Umgebung der Gebäude bezogen. Häufig handelt es sich um Zeilen aus berühmten Gedichten, in denen Besonderheiten der Szenerie angedeutet sind.
Ihren künstlerischen Höhepunkt erreichte die Kalligrafie zusammen mit anderen Kunstformen in der Tang-Dynastie (618–907). Die Kunstwerke der damaligen berühmten Kalligrafen – etwa von Wang Xizhi, Yan Zhenqing, Ou Yangxun und Liu Zongyuan – werden bis heute als unbezahlbare Schätze betrachtet.
Der Wert des ‘Schönschreibens’ wird in China sehr hoch angesetzt. Das erkennt man etwa daran, dass die Republik China in Taiwan bei den offiziellen Biografien ihrer bisherigen Präsidenten kalligrafische Arbeiten von diesen mit angibt (hier z. B. für Sun Yat-sen).
Lautumschriften
Ein Schriftzeichen repräsentiert in den meisten Fällen eine Silbe. Um die Aussprache eines Schriftzeichens wiederzugeben, verwendete man im alten China seit der Sui-Dynastie und Tang-Dynastie Reimlexika, in denen der Laut einer Silbe nicht durch Angabe der Phone beschrieben wurde, sondern durch Angabe von zwei chinesischen Schriftzeichen. Das erste stimmte mit dem Anlaut der gesuchten Silbe überein, das zweite mit dem Auslaut (Fanqie-System).
Die ersten Versuche zur Transkription der chinesischen Sprache gingen 1588 von dem italienischen Missionar Matteo Ricci und dem französischen Missionar Nicolas Trigault aus. Die Missionare versuchten, die Laute der chinesischen gesprochenen Sprache mit Buchstaben aus dem lateinischen Alphabet zu fixieren. Um diese Zeit entstand auch die Umschrift von Wade-Giles.
1892 entwickelte Lu Zhuangzhang eine Transkription für den Dialekt aus Xiamen und nannte sie „qieyin xinzi“ (Neue Zeichen für zerteilte Laute). Er gilt als der erste Chinese, der für die chinesische Schrift ein Transkriptionssystem entwarf. Gemäß seinem Entwurf wird die Bewegung für die Transkription der chinesischen Sprache am Ende der Qing-Dynastie in China „qieyinzi yundong“ (Bewegung für die Zeichen für zerteilte Laute) genannt. Lu Zhuangzhang hatte bereits die Idee einer einheitlichen Sprache und Schrift für ganz China.
Bis zur Gründung der Republik China wurden fast dreißig weitere Transkriptionssysteme hervorgebracht. Davon machten solche aus lateinischen Buchstaben etwa ein Viertel aus. Das Ziel war es, die chinesische Schrift einfacher erlernen zu können und damit im Zuge der Modernisierungsbestrebungen Wissenschaft und Bildung vorantreiben zu können. Unter diesen Transkriptionssystemen war auch das Konzept von Wang Zhao (??), der sich von japanischen Kana bei der Entwicklung seines Konzepts beeinflussen ließ.
Die Idee, eine einheitliche chinesische Sprache zu verwenden, findet sich bereits bei den Beamten der Qing-Dynastie. Daher leitet sich der Name guanhua (Beamtensprache), beziehungsweise Mandarin für das Chinesische ab. Der Gedanke, eine Aufsplitterung in Dialektgruppen in China zu verhindern, und die Idee der Notwendigkeit einer gemeinsamen Nationalsprache innerhalb der heterogenen Sprachsituation in China wurde ganz besonders nach dem Sturz der Qing-Dynastie und der Gründung der Republik China deutlich.
1913 berief deshalb die Beiyang-Regierung die „Konferenz zur Vereinheitlichung der Aussprache“ ein. Auf der Konferenz wurde beschlossen, das „Zhuyin Zimu“ (Nationale Phonetische Alphabet) einzuführen. Die Schriftreform in China ging somit einher mit einer Sprachreform. Es handelt sich bei diesem Transkriptionssystem anders als bei den von den Missionaren geschaffenen Schriften um eine Lautschrift aus verkürzten chinesischen Zeichen.
Bis zur Machtergreifung der Kommunistischen Partei 1949 entstanden weitere Transkriptionssysteme aus lateinischen Buchstaben. Die bedeutendsten sind:
- das „ Gwoyeu Romatzyh“ (Pinyin: Guoyu Luomazi, Romanisierung der Nationalen Sprache)
- das „Sin Wenz“ (Pinyin: Ladinghua Xin Wenzi, Neue Lateinschrift)
Das Gwoyeu Romatzyh stammt von Yuen Ren Chao /Pinyin: Zhao Yuanren und wurde am 14. September 1926 dem Erziehungsministerium zur Veröffentlichung unterbreitet.
Das Sin Wenz hat seine Vorläufer in der Sowjetunion. Auf dem Höhepunkt der sowjetischen Latinisierungsbewegung entwarfen Mitglieder der Kommunistischen Partei Chinas, die sich in Russland aufhielten, und sowjetische Linguisten ein Transkriptionssystem für die chinesische Schrift mit lateinischen Buchstaben, das 1933 nach China überliefert und „Ladinghua Xin Wenzi“ genannt wurde. Es löste die Massensprachenbewegung (Ladinghua qunzhong yundong) aus, in der es Anspruch auf nationale Verbreitung erhob. Es verbreitete sich ab 1934 von Shanghai aus. Ein prominenter Befürworter war Lu Xun. Es wurde jedoch von der Guomindang verboten, und auch in den von den Japanern eroberten Gebieten musste seine Verbreitung eingestellt werden. Aber in den befreiten Gebieten der Kommunisten wurde es in Abendschulen eingesetzt und legte nach der Machtergreifung der Kommunisten 1949 die Basis für die Entwicklung des Pinyin.
Neben einigen an der Sprache des jeweiligen Übersetzers orientierten Sonderformen (vor allem in den anderen ostasiatischen Sprachen) sind heute für Hochchinesisch vor allem drei Systeme gebräuchlich: Die Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelte lateinische Umschrift von Wade-Giles, die nichtlateinische Umschrift Zhuyin, die in Taiwan noch üblich ist, und das mit der Vereinfachung der Zeichen in der VR China eingeführte lateinbasierte Pinyin.
Das Pinyin wurde 1982 von der ISO als internationaler Standard für die Umschrift des Chinesischen anerkannt.
Durch die vielfältigen Systeme kommt die teilweise vorhandene Uneinheitlichkeit der Lautumschrift zustande, z. B. Mao Zedong und Mao Tse-Tung oder Beijing und Peking. Des Weiteren hält sich der deutsche Duden nicht konsequent an ein Umschriftsystem und verwendet teilweise Umschriften, die in keinem der Systeme vorkommen, etwa Tsingtau.
Für andere chinesische Sprachen, wie beispielsweise Kantonesisch, werden ebenfalls Lautumschriften entwickelt, diese sind jedoch bisher weniger ausgereift als die Mandarin-Systeme.
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Das obige Bild basiert auf dem Bild "Yonghe Jiunian" und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. Der Urheber des Bildes ist Immanuel Giel.


















